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Boulevard

Ein Schuss Jazz, eine Prise Film, ein Löffel Leichtigkeit: Bunte Klassik

Soundtracks als konzertante Klassiker

Dass sich die Wege der Klassik und der Filmmusik immer wieder kreuzen, zeigt schon die Soundtrack-Frühgeschichte: Der „Mozart des 20. Jahrhunderts“ Erich Wolfgang Korngold heimste 1939 für seine Partitur zu „Robin Hood, König der Vagabunden“ einen der ersten Oscars ein. Die „Romanze“ daraus ist das älteste Musikstück auf dem „Cinema“-Album des Geigers Renaud Capuçon, der sich, vom Sinfonieorchester opulent begleitet, von dort aus auf eine Reise bis zu Korngolds späteren Kollegen Delerue, Morricone, Williams oder Horner begibt – als Kontrastprogramm zu seinen rein klassischen Programmen.

Cinema

Renaud Capuҫon, Brussels Philharmonic, Stéphane Denéve

Warner Classics

Bach zum einen …

Vielleicht nennen Musikhistoriker das erste Drittel des 21. Jahrhunderts ja später einmal das Zeitalter des „Recomposing“. Mit der Umwandlung von Altem in Neues bei gleichzeitiger Wahrung der Faszination des Alten kann man zurzeit die Charts stürmen – wie etwa Max Richter mit seinen Vivaldi-Veränderungen. Nun widmet sich Peter Gregson einem anderen prominenten Zyklus der Barockmusik: Bachs Solosuiten für das Violoncello – dem Instrument, das der „Recomposer“ selbst beherrscht. Das elektronische Bett, in das Gregson die manchmal original belassenen, dann wieder zerschnipselten Linien bettet, legt sich über weite Strecken hinter den Celloklang, für den nicht nur Gregson selbst, sondern gleich fünf weitere Virtuosen und Virtuosinnen sorgen. Der Klang-Fond wirkt wie das kräftige Nachzeichnen des fehlenden Bassfundaments.

Recomposed: By Peter Gregson. Bach – The Cello Suites

DG/Universal

… und Bach zum anderen

Bach-Uminstrumentierungen gibt es etliche, auch abseits der bekannten Umarbeitungen aus Federn von Orchestrierungsvirtuosen wie Elgar, Respighi oder Stokowski. Von den „Goldberg- Variationen“ legte Mitte der Achtziger Jahre der Geiger Dmitry Sitkovetsky eine Version für Streichtrio beziehungsweise Kammerorchester vor. Nun folgt das norwegische Arrangement von Bernt Simen Lund und Henning Kraggerud. Man wundert sich, dass Bachs berühmtes Variationenwerk bisher von Bearbeitern eher stiefmütterlich behandelt wurde. Die Reihung strenger Kanons mit expressiven Abschnitten, das Aufeinandertreffen verschiedenster Satztypen vom Tanz bis zu Konzertantem bietet sich für die Möglichkeiten eines Streichorchesters – von unterschiedlichen Tutti-Gruppierungen bis zu solistischen Abschnitten – an. Kraggerud ergänzt die Bearbeitung um eine süffig-volksmusikalisch inspirierte Zugabe aus eigener Feder. Und es ist ebenfalls ein Variationenwerk, zu dem ihn der Dichter Zacharias Topelius inspirierte, der mit seinen Kinderbüchern und Novellen so etwas wie der finnische Hans Christian Andersen war.

Johann Sebastian Bach, Henning Kraggerud

Goldberg Variations, Topelius Variations

Simax Classics/Naxos

Matthias Höfs und sein Mega-Blech

Wenn der Trompeter Matthias Höfs bei Janáčeks „Sinfonietta“ mitwirkt, spielt er die bombastische Einleitung am liebsten mit Mitgliedern seiner Trompetenklasse. Bei einer solchen Gelegenheit kam ihm die Idee, für dieses goldglänzende Riesenensemble ein ganzes Album zu erarbeiten. „Kind Of Gold“ prunkt mit Musik einer im Grunde recht seltenen Besetzung. Denn so populär die Trompete ist, so selten ist ihr massenhaftes Auftreten. Fündig wurde Höfs bei Richard Strauss, der in seiner „Festmusik der Stadt Wien“ zehn Trompeten beschäftigte. In dem vom Barockstil inspirierten Stück „Sinfonia und Caprice“ des Japaners Itaru Sakai sind es immerhin acht. Wolf Kerschek vollendete 2016 ein avantgardistisches Konzert für zehn Trompeten und Orchester und ließ zwei Jahre später in „Space Heroes“ neun „Schwestern“ ihre solistische Kollegin begleiten. Mehr Trompete geht kaum!

„Kind Of Gold“ (Matthias Höfs & Ensembles)

Berlin Classics/Edel

Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 5 / 2018



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