home

N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



Startseite · Klartext · Pasticcio

Selbstbestimmt, aber unterfinanziert? Freie Ensembles in Deutschland (c) pixabay.com

Pasticcio

Wenn Träume wahr werden…

1980 fand sich in Frankfurt/Main eine Gruppe von Musikstudenten zusammen, um intensiver ihrer Liebe zur Neuen Musik zu frönen. Fünf Jahre später kamen in Freiburg hochtalentierte Musikhochschüler auf eine ähnliche Idee. In Sektlaune entschloss man sich, ein Ensemble zu gründen, das sich ausschließlich der historischen Aufführungspraxis widmen sollte. Heute, einige Jahrzehnte später, spielen beide Musikerteams in der musikalischen Profiliga. Das Frankfurter Ensemble Modern und das Freiburger Barockorchester zählen jeweils auf ihrem Spezialgebiet zu den führenden weltweit. Und dennoch teilen diese 1st-Class-Musikergemeinschaften das Schicksal im Grunde aller freien Ensembles: Ohne entsprechende Förderung seitens Stadt, Land oder Bund müssten selbst sie wohl früh oder später kleine Klangbrötchen packen.
Dabei sind das EM und das FBO noch gut dran. Wie jetzt in dem höchst informativen Lagebericht über freie Ensembles in Deutschland nachzulesen ist, den WDR-Redakteur Richard Lorber und Komponist Tobias Eduard Schick auf der Seite des „Deutschen Musikinformationszentrums“ MIZ veröffentlicht haben , ist man dort von offiziellen Mitteln nicht ganz so abhängig wie die vielen Kollegen. So spielt etwa das Ensemble Modern immerhin mindestens 50 Prozent der Gesamteinnahmen mit Konzerten ein. Hinzu kommen dann noch etwa 20 bis 25 Prozent institutionelle Fördermittel. Allein schon an diesen Zahlen lässt sich ablesen, dass das Leben als freischaffender Ensemble-Musiker bis heute kein Zuckerschlecken ist. Trotzdem kann sich die Szene in Breite und Spitze sehen lassen. So verzeichnet das MIZ derzeit stolze 400 Spezialensembles, die sich wahlweise mit Alter oder Neuer Musik beschäftigen. Und nicht selten werden verdienstvollste Ensembles wie das Leverkusener L’arte del mondo ab und an mit einem warmen Geldsegen gewürdigt. So hat das NRW-Kultusministerium gerade bekannt gegeben, dass man das von Werner Erhardt geleitete Orchester über die nächsten drei Jahre mit insgesamt 240.000 Euro fördern werde.
Um solche Finanzspritzen muss man sich nebenan, in Köln, bei zumindest einem Orchester nicht kümmern. Es ist das Kölner Bürgerorchester, das sich derzeit auf Initiative des Kölner Gürzenich-Orchesters und dessen GMDs François-Xavier Roth gründen wird, um dann am 13. Juni 2020 in der Kölner Philharmonie aufzuspielen. Mitglieder dieses Orchesters auf Zeit sollen ausschließlich Amateurmusiker sein, die Seite an Seite mit Mitgliedern des Gürzenich-Orchesters musizieren werden. Und wer schon immer den Traum hatte, in einem großen Musikerapparat etwa ins Horn zu blasen, der sollte sich mit der Anmeldung unter „spielmituns@guerzenich-orchester.de“ beeilen. Deadline ist nämlich schon der 15. September.

Guido Fischer



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Musikstadt

Ideologien und Ideen

Schloss Elmau

Immer noch ein Märchenschloss der Klassik, des Jazz und der Literatur: Elmau ist Luxushotel und […]
zum Artikel

Pasticcio

Chopin-Könner

15 Jahre lang war beim renommierten Chopin-Wettbewerb in Warschau der erste Preis nicht vergeben […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Beim Namen Galilei denkt man sofort an den genialen Mathematiker und Astronomen Galileo Galilei, der mit seiner exakten Messmethodik die modernen Naturwissenschaften maßgeblich mitbegründete. Doch zur Familie Galilei gehörten auch zwei bedeutende Musiker: Galileos Bruder Michelangelo Galilei und der gemeinsame Vater Vincenzo Galilei. Beide waren hervorragende Lautenisten, Vincenzo setzte sich auch intensiv mit den physikalisch-akustischen Grundlagen der Musikproduktion auseinander und […] mehr


Abo

Top