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Über allen Gipfeln: Daniel Harding zieht vorübergehend das Cockpit dem Pult vor (c) askonasholt.com

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Jet Set – für mindestens 365 Tage

Was machen eigentlich Musiker, die ausgesorgt haben, in ihrer Freizeit? Die einen, Rod Stewart, kaufen sich einen Fußball-Club. Die anderen – wie einst Glenn Gould – reißen in ihrem dicken Lincoln Continental Tausende Kilometer auf dem einsamen Highway ab. Und vom Komponisten und Dirigenten Matthias Pintscher hört man, dass er nebenbei ein äußerst talentierter Kunsthändler sein soll. Eines der beliebtesten Hobbys auch unter Klassik-Stars scheint aber die Fliegerei zu sein. Pianist Gerhard Oppitz hat einen Pilotenschein. Mikhail Pletnev darf zudem per Hubschrauber hochgehen. Und wer hat nicht noch eines der vielen Fotos gedanklich abgespeichert, die Herbert von Karajan im Cockpit eines seiner Jets zeigen.
Bei aller Passion für die Fliegerei – ihren Hauptjob als Musiker haben sie alle dennoch nicht vernachlässigt. Da ist nun Daniel Harding um einiges konsequenter. Denn wie er jetzt der spanischen Tageszeitung „El Pais“ verraten hat, wird er sich ab der Konzertsaison 2020/21 ein ganzes Jahr vom Dirigentenrummel zurückziehen und nur noch um die Welt fliegen. Einen neuen Job hat der englische Stardirigent dafür auch schon. So hat ihn die französische Fluggesellschaft Air France als Co-Pilot eingestellt. „Schon als Kind habe ich davon geträumt, Flugzeuge zu fliegen, aber mein Engagement für die Musik hat mich davon abgehalten“; so Harding. „Mich fasziniert das Gefühl des Fliegens, aber auch die Möglichkeit, mit dem Flugzeug zu interagieren.“
2017 hatte Harding seine Fluglizenz erworben. Und während auf seinem Twitter-Account bisher zu lesen war: „qualified but unemployed A320 pilot“, hielt er sich in seinem Haus in Frankreich am heimischen Flugsimulator für kommende Aufgaben fit. Wie er aber einmal in einem Gespräch für das Magazin der Berliner Philharmoniker anmerkte, sind die Unterschiede zwischen einem Piloten und einem Dirigenten doch gar nicht so groß. „Als Pilot sitzt man da und drückt auf Knöpfe, das meiste übernimmt der Computer. Und so ist es beim Dirigenten und dem Orchester. Der Dirigent steuert mit den Händen, aber nur das Orchester spielt. Die Möglichkeit einzugreifen, besteht für Dirigenten ebenso wie für Piloten lediglich situativ. Mein Job dabei ist es, die Maschine genau in die Richtung zu steuern, in die ich will und sie auch.“ Bis zum Beginn seines Sabbaticals und den ersten Kilometern im Linienflugbetrieb bleibt noch genügend Zeit, um zu manch neuen Höhenflügen anzusetzen. Musikalisch, versteht sich.

Guido Fischer



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