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Voyager Quartet

Lieder ohne Worte

Franz Schuberts „Winterreise“ präsentiert das Quartett in einer Version, welche die Musik für sich sprechen lässt.

Weniger klassikaffine Menschen denken beim Namen „Voyager“ womöglich zuerst an TV-Science- Fiction oder an die beiden Raumsonden, die von der NASA 1977 auf die Reise ins Unbekannte geschickt wurden. Und tatsächlich liegt man damit beim Voyager Quartet gar nicht einmal so falsch. Rekrutierte sich das Programm eines ihrer ersten Konzerte 2014 doch tatsächlich an den Musikstücken, die auf der berüchtigten „Golden Record“ zu finden sind. Jenem Tonträger, den man als musikalischen Gruß möglicher Außerirdischer als Dreingabe der Sondenmission ins Weltall entsandte. „Auch wir sind immer auf der Reise. Oder besser gesagt: auf der Suche.“ Wie Geiger Nico Christians in einem Münchner Café erzählt. „Das sieht man auch bei unseren Programmen, wo dieses Thema immer präsent ist. Und manchmal geht diese Reise dabei auch ins Innere.“ Wichtig ist ihm und seinen Mitstreitern Maria Krebs, Andreas Höricht und Klaus Kämper vor allem eine dramaturgische Klammer. Die Programme des Voyager Quartets haben nichts Beliebiges, folgen stets einem roten Faden. „Und bei dem Namen musste natürlich irgendwann auch die ‚Winterreise‘ kommen.“
Schuberts berühmter Liederzyklus zählt zweifellos zu den Höhepunkten des Genres. Und so erscheint es durchaus als Wagnis, bei einem derart vertrauten Werk nun Wort und Ton voneinander zu trennen und eine rein instrumentale Version vorzulegen. Nicht jedoch für Andreas Höricht, der für sein Quartett eine Auswahl von zwölf Liedern neu bearbeitet hat. „Für mich war die ‚Winterreise‘ schon immer relativ textunabhängig. Weil allein in der Musik schon so viel steckt.“ Bei einer klassischen Aufführung steht natürlich immer die Textverständlichkeit im Zentrum und damit die Stimme, auf die das Klavier Rücksicht nehmen muss. Frei nach Gerald Moore, der als Autorität in Sachen Liedbegleitung seine Autobiografie mit dem Zitat „Bin ich zu laut?“ betitelte. Doch mit vier Streichinstrumenten ergeben sich nun völlig neue Kräfteverhältnisse. „Im Quartett haben wir den Vorteil, dass wir quasi gleichberechtigt sind. Egal, wer Melodie spielt und wer begleitet. Dadurch nimmt man die Musik auf einmal ganz anders wahr, weil so die Nebenstimmen besser zu hören sind.“ Knackpunkt der „Voyager- Winterreise“ sind aber die neu hinzukomponierten Intermezzi. Keine Pause, kein Atemholen. Die Musik bleibt stets im Fluss.
Respekt vor dem Original stand für Höricht aber dennoch an erster Stelle. „Ich hätte mich nicht getraut, Schubert ganz zu verändern, dafür ist mir diese Musik zu heilig. Ich habe lediglich die Form manchmal etwas vereinfacht, Strophen gekürzt und kleine Brücken gebaut.“ Und gerade bei den hoch emotionalen Liedern Schuberts helfen die Intermezzi durchaus, um sich selbst kurz wieder zu erden, ohne dabei an Spannung zu verlieren. Wie auch Nico Christians bestätigt. „Wichtig ist dabei vor allem, die Grundstimmung eines Liedes einzufangen. Da tritt der Interpret auch mal hinter die Musik zurück. Unser Ideal ist dabei die Klangkultur und Hingabe der großen alten Quartette, die wir selber früher gehört haben. Natürlich könnte man das auch anders machen. Aber das ist eben unser Weg.“

www.voyagerquartet.de

Neu erschienen:

Franz Schubert

„Die Winterreise“ für Streichquartett

Voyager Quartet

Solo Musica/Sony

Tobias Hell, RONDO Ausgabe 6 / 2019



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