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(c) Ben Wolf

Fauré Quartett

Herbstmusik

Zum gemeinsamen Jubiläum wirft die Kammermusikformation noch einmal den Blick auf die Klavierquartette ihres Namensgebers.

Grund zum Feiern gibt es für das Fauré Quartett aktuell gleich doppelt. Nicht nur, dass man seit nunmehr einem Vierteljahrhundert in unveränderter Besetzung musiziert. Auch der selbst gewählte Schutzpatron feiert 2020 seinen 175. Geburtstag. Auf den Tag genau 25 Jahre nach der ersten gemeinsamen Probe präsentiert man daher nun eine Neueinspielung der Klavierquartette von Gabriel Fauré. Es versteht sich von selbst, dass die beiden Werke mit den Opuszahlen 15 und 45 von jeher einen Stammplatz im Repertoire des Ensembles einnehmen. Und ebenso selbstverständlich haben Erika Geldsetzer, Sascha Frömbling, Konstantin Heidrich und Dirk Mommertz beide schon vor geraumer Zeit auf CD gebannt. Was spannende Vergleiche erlaubt, gleichzeitig aber auch einen beeindruckenden Beleg für die Konstanz des Quartetts abliefert. War der erste Anlauf auf zwei Veröffentlichungen verteilt und mit musikalischem Kontrastprogramm versehen, gibt es diesmal Fauré pur. Beide Quartette miteinander vereint und ergänzt durch fünf Lieder des Komponisten, die in Arrangements von Dietrich Zöllner erklingen und als dramaturgisch klug gesetzte Überleitung dazwischengeschaltet wurden. „Nichts ist leichter für uns, als ein Programm mit Fauré zu spielen. Könnte man denken. Wir kennen uns selbst und seinen Notentext wirklich gut, das gibt eine – wenn auch manchmal trügerische – Sicherheit.“ Wie Pianist Dirk Mommertz anlässlich der neuen Einspielung zu Protokoll gibt. „Doch auf der anderen Seite müssen wir in jeder Sekunde unseres Lebens improvisieren, das ist eine existentielle Notwendigkeit und erlaubt nicht, uns auf unsere Muster, Gewohnheiten und Sicherheiten zu verlassen.“ Dieser Mut zum Risiko mag ein Grund sein, warum die vier Faurés einander immer noch nicht überdrüssig geworden sind. Die gemeinsame Suche nach immer wieder neuen Impulsen. „Man entdeckt so wunderbar viel in Faurés musikalischer Welt, von den dunkelsten Tiefen im langsamen c-Moll-Satz des ersten Quartettes bis hin zur Luftigkeit und Fröhlichkeit der Lieder.“ Und wie bei allen großen Meisterwerken, erschließen sich natürlich auch hier im Laufe der Jahre neue Perspektiven, erhalten einzelne Noten und Phrasen mehr Gewicht, oder treten zugunsten anderer Nuancen in den Hintergrund. Dass sie sich mit dem neuen Album nicht nur an großen Vorgängern, sondern auch an sich selbst messen lassen müssen, nehmen die vier Faurés gelassen. „Man muss eine Wahrheit suchen, die Gültigkeit hat. Dieser Anspruch an Nachhaltigkeit sollte bei einer Aufnahme immer vorhanden sein. Wir kennen die Musik gut. Und trotzdem haben wir noch nie zuvor so intensiv daran gearbeitet und versucht, ihr einen weiterführenden Sinn zu geben. Einen, den wir vor zwanzig Jahren noch nicht unbedingt in diesem Umfang erkennen konnten. Eine Phrase ist nie nach Taktstrichen definiert, sondern nach ihrer rhetorischen Idee und ihrem inneren Streben. Diesen Zusammenhang zu erkennen, ist bei Fauré nicht leicht, ganz ähnlich wie bei Schumann. Einen Geist in der Kunst zu entdecken, der mehr zwischen den Zeilen lebt als auf ihnen, ist eine große und spannende Reise.“ Eine Reise, die hoffentlich noch lange andauert.

Neu erschienen:

Gabriel Fauré

Klavierquartette opp. 15 & 45, Mélodies

Fauré Quartett

Berlin Classics/Edel

Tobias Hell, RONDO Ausgabe 5 / 2020



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