home

N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



Startseite · Künstler · Gefragt

(c) Pauce/naïve

Christian-Pierre La Marca

Brillant bei Stimme

Der französische Cellist schlägt auf seinem neuen Album „Cello 360“ den Bogen von Marais bis zu den Beatles.

Schon immer war Monsieur der festen Überzeugung, dass das Cello mit seinem Klang und Timbre der menschlichen Stimme am nächsten kommt. Und den Beweis für diese Gewissheit trat Christian-Pierre La Marca schon vor fünf Jahren an, als er auf seinem Album „Cantus“ und gemeinsam mit den heiligen Hochtönern Patricia Petitbon und Philippe Jaroussky Arrangements von Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart „sang“. Auch für sein aktuelles Album hat La Marca sein Cello wieder in ein vielstimmiges Instrument verwandelt. Vom Landsmann und Zeitgenossen Thierry Escaich spielt er einen eindringlichen und dramatisch verwirbelten „Cantus“. Im Mehrspurverfahren verwandelt sich La Marca in Henry Purcells herzzerreißendem „Dido’s Lament“ in einen Trauerchor. Mit sanften Pizzicati wird dann „Yesterday“ von den Beatles gespickt. Und auch hier erweist sich La Marca auf seinem Vuillaume-Cello von 1856 als ungemein tonschöner und atmender Sänger vor dem Herrn. Das Cello als menschliche Stimme ist aber nur ein roter Faden, der sich durch La Marcas Solo-Debütalbum zieht. Den zweiten großen Programmbogen bildet die Vielsprachigkeit seines Instruments. „Für ‚Cello 360‘ habe ich ein auch sehr persönliches Programm rund um das unbegleitete Cello gebaut, bei dem sehr gegensätzliche Epochen und Stile aufeinandertreffen“, so der knapp 40-Jährige. „Zunächst habe ich Stücke erforscht, die ich besonders mag und die für den Vorfahren des Cellos, für die Viola da Gamba komponiert wurden. Die Idee dabei, sie neben Meisterwerke aus der modernen und zeitgenössischen Musik zu stellen. Es gibt eine große Lücke im Repertoire für unbegleitetes Cello zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert: Es ist in der gesamten Romantik fast nichts überliefert. Erst später erlangte das Instrument seine Freiheit, auch dank der großartigen Cellisten und der Musik, die sie in Auftrag gegeben haben.“ Das Spektrum von „Cello 360“ reicht dementsprechend von den beiden französischen Gamben-Granden Monsieur de Sainte-Colombe und Marin Marais bis weit ins 20. Jahrhundert – bis zur teuflisch schweren Cello-Sonate von György Ligeti sowie den „Trois Strophes sur le nom de SACHER“, die Henri Dutilleux einst für Mstislaw Rostropowitsch komponiert hat. Und neben Piècen von Jean-Philippe Rameau und Georg Philipp Telemann findet sich ebenfalls Charlie Chaplins „Smile“ sowie Pablo Casals’ „El cant dels ocells“. Diese musikalische 360-Grad-Umrundung des Cellos spiegelt aber auch das vielsaitige Interesse von Christian-Pierre La Marca wider, der unter anderem bei Steven Isserlis studiert und sich in Meisterklassen etwa von Rostropowitsch und Heinrich Schiff den Feinschliff geholt hat. So arbeitet La Marca genauso mit Originalklang-Ensembles wie Les Ambassadeurs und Les Siècles zusammen wie mit Komponisten vom Schlage eines Jörg Widmann und György Kurtág. Dass Christian-Pierre La Marca aber nicht nur ein großartiger Allrounder, sondern gleichermaßen beeindruckend bei Stimme ist, kann er eben jetzt auf „Cello 360“ zeigen. Wobei er nebenbei in dem folkloristisch gewürzten „Lamentatio“ seines italienischen Cello-Kollegen Giovanni Sollima beweist, dass er nicht nur den Cello-Bogen, sondern auch die eigenen Stimmbänder einzusetzen versteht.

Neu erschienen:

„Cello 360“

mit La Marca

naïve/Indigo

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 6 / 2020



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Gefragt

Benjamin Alard

Barocker Tastenkosmos

Dieser Musiker verfolgt eine Lebensaufgabe: die Einspielung des Gesamtwerks für Tasteninstrumente […]
zum Artikel

Gefragt

Miloš

Unter die Haut

Mit „Mediterraneo“ und „Latino“ wurde Miloš in doppelter Hinsicht zum Shootingstar. Mit […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Zum Warmwerden: Von Tenören, die gerne auf der Rasierklinge zwischen Kunst und Kommerz reiten, ist es ja bekannt. Das aber auch Instrumentalisten „ihr“ Weihnachtsalbum aufnehmen, hat Seltenheitswert. Zumal, wenn es auch noch so glückt wie im Fall des Harfenisten Xavier de Maistre. Der verbindet gleich mehrere Programmideen. So ist dieses Album nämlich nicht nur Begleitmusik fürs Weihnachtszimmer, sondern auch eine Verneigung vor einem großen Kollegen unter den Konzertharfenisten, […] mehr


Abo

Top