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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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„Residiert“ nun auf Schloss Esterházy: Das Chamber Orchestra of Europe © Julia Wesely

Chamber Orchestra of Europe

Aktuelle Botschaften an traditionsreichem Ort

Am 11. März startet das Chamber Orchestra of Europe seine Residenz in Schloss Esterházy, der ehemaligen Wirkungsstätte Joseph Haydns.

Nichts vermittelt Musikgeschichte so anschaulich wie der Besuch von Orten, an denen einst große Komponisten wirkten. Dass es sich dabei nicht immer um Weltmetropolen handelt, beweist der Fall Joseph Haydn, der – nur bedingt von seinen Kollegen in Wien, Paris oder London beneidet – jahrzehntelang treu und brav als Hofkapellmeister der Fürstenfamilie Esterházy in Eisenstadt seinen Dienst verrichtete. Mag er selbst in den Prunkräumen des dortigen Schlosses nur noch als Geist herumschweben: Die musikalische Tradition hält sein Andenken lebendig, der nach ihm benannte Festsaal bietet seit Jahrzehnten Konzerten und Festivals eine Bühne, bei denen Haydns Werk eine herausgehobene Rolle spielt. Von 1989 an residierten hier fast 30 Jahre lang die Haydn-Festspiele, seit 2017 zeigt das regelmäßig im September angesetzte HERBSTGOLD-Festival ein abwechslungsreiches und prominent besetztes Programm, ebenso die ganzjährig stattfindende Konzertreihe classic.Esterhazy.
Natürlich braucht ein Residenzschloss auch ein Residenzorchester, und diese Aufgabe erfüllt ab März 2022 mit dem Chamber Orchestra of Europe (COE) eines der besten und berühmtesten Projektorchester der Welt. In einem mehrstufigen Auswahlverfahren hat sich eine Jury aus Musikern und Kulturmanagern für den paneuropäisch besetzten Klangkörper entschieden. Die Residenz ist zunächst für drei Jahre festgelegt, neben mindestens vier Konzerten pro Saison – sowohl im Rahmen von classic.Esterhazy als auch des vom Geiger und Dirigenten Julian Rachlin geleiteten HERBSTGOLD-Festivals – umfasst sie eine audiovisuelle Kooperation mit medici.tv, das die Eisenstädter Konzerte in sein Streamingangebot aufnimmt. Aussichten, die den COE-Geschäftsführer Simon Fletcher frohlocken lassen: „Das Orchester hat 60 Mitglieder aus unterschiedlichsten Ländern, was einen gewaltigen Reiseaufwand erfordert. Gerade angesichts der schwierigen Zeit durch die Coronapandemie und die Herausforderungen des Klimawandels ist es ein gutes Zeichen, eine feste Anlaufstelle zu haben.“
Dass das 1981 gegründete, in seiner künstlerischen Entwicklung von Dirigenten wie Claudio Abbado und Nikolaus Harnoncourt geprägte COE seine „Dienstpflicht“ nicht nur bei den Konzerten im Haydnsaal erfüllt, sondern auch anderweitig im Musikleben vor Ort mitmischen wird, ist für Simon Fletcher eine Selbstverständlichkeit: „Wir stehen in einem sehr engen Kontakt mit den Kulturverantwortlichen und sehen uns selbst als eine Art Botschafter für das geeinigte kulturelle Europa von heute.“ Schaut man gegenwärtig Richtung Osten, scheint diese von Mitgliedern einer offenen Gesellschaft ausgehende Botschaft wichtiger denn je. Unterstützt wird sie durch die Zusammenarbeit mit Musikgrößen wie Sir András Schiff oder Fazıl Say, die sich immer wieder dafür eingesetzt haben. Mit Say wird das Orchester auch seine Residenz im Schloss Esterházy eröffnen: Am 11. März ist er als Solist sowohl in Mozarts Klavierkonzert C-Dur KV 467 als auch in seiner eigenen Komposition Yürüyen Köşk zu hören; darüber hinaus steht (natürlich) mit der Sinfonie Nr. 96 ein Haydn-Werk sowie Beethovens „Pastorale“ auf dem von Robin Ticciati dirigierten Programm. Weitere Auftritte des COE folgen beim HERBSTGOLD-Festival mit Julian Rachlin (am 15. September, unter anderem mit dem Brahms-Violinkonzert) und Sir András Schiff (am 18. September mit Haydns Klavierkonzert Nr. 11 und der Sinfonie 104) und, wiederum für classic.Esterhazy , am 28. Oktober in einem gemischten Doppel mit Dénes Várjon und Veronika Eberle, die Werke von Haydn, Hummel und Janáček zu Gehör bringen werden.

www.coeurope.org

Die nächsten Konzerte:

11.3. – Eisenstadt (A), Schloss Esterházy, Haydn-Saal (Mozart, Say, Dir. Ticciati)
12.3. – München, Isar-Philharmonie (Mozart, Say, Dir. Ticciati)
31.5. – Dresden, Kulturpalast (Lied von der Erde, Dir. Rattle)
1.6. – Luxemburg (LU), Philharmonie (Lied von der Erde, Dir. Rattle)
3.6. – Köln, Philharmonie (Lied von der Erde, Dir. Rattle)
5.6. – Wien (A), Musikverein (Lied von der Erde, Dir. Rattle)
7.6. – Hamburg, Elbphilharmonie (Lied von der Erde, Dir. Rattle)

Stephan Schwarz-Peters, 05.03.2022, Online-Artikel



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