Startseite · Klang · Musik-Krimi

Musik-Krimi

Folge 38: Das Geheimnis der Traunstein-Brüder

Diesmal brauchen wir Ihre Mitarbeit nicht“, sagte Hauptkommissar Reuter. „In dem aktuellen Fall gibt es keine Verbindung zur Musik.“ „Sie haben den Namen ‚Traunstein‘ erwähnt“, wandte Doktor Stradivari ein. „So heißt ein berühmter Professor der Musikwissenschaft, der gerade in der Stadt ist.“
„Das Mordopfer in dem neuen Fall ist dessen Zwillingsbruder. Simon Traunstein. Der Professor hat damit aber nichts zu tun. Er ist zufällig in der Stadt, weil er einen Wissenschaftspreis erhalten soll. Das Mordopfer Simon Traunstein war Versicherungsvertreter und hat sich wohl krumme Geschäfte geleistet. Er hat schon einmal wegen Betruges vor Gericht gestanden. Und er war hochverschuldet. Nun hat ihn jemand in seiner Wohnung erschlagen.“ „Ich kann mich ja trotzdem mit Simon Traunsteins Bruder unterhalten. Schon rein fachlich wäre das ein Gewinn. Er ist Experte für die Oboe und ihre Geschichte. In der Zeitung stand, dass er bei der Preisverleihung einen Vortrag halten wird. Es ist eine seltene Gelegenheit, denn er verlässt sein Haus am Lago Maggiore, wo er umgeben von Büchern und CDs abgeschieden lebt, fast nie.“
„Sicher werden Sie davon profitieren“, seufzte Reuter. „Mich ruft die Arbeit.“ Der Festakt zu Traunsteins Ehren fand in der Universität statt. Stradivari erfuhr vor der Veranstaltung, dass der Preis, den Traunstein gewonnen hatte, mit 20.000 Euro dotiert war. Der Geehrte kam erst in letzter Minute, sodass der Doktor ihn vorher nicht sprechen konnte.
Nach den Begrüßungsreden trat Traunstein ans Pult und begann seinen Vortrag über das Holzblasinstrument, für das er Experte war. Er erläuterte den Tonumfang, der je nach Bauweise bei dem Ton b oder h begann und weit ins hohe Register reichte, wobei die Klangfarbe in den höchsten Tönen sehr dünn wurde, sodass dieser Bereich von den Komponisten selten genutzt wurde. Dann kam er auf die Funktion der Oboe im Orchester der Barockzeit zu sprechen – insbesondere in den Concerti grossi von Arcangelo Corelli und im Begleitorchester in den Solokonzerten von Antonio Vivaldi und Johann Sebastian Bach. Traunstein erläuterte gerade, dass die Oboe vor allem in Bachs Konzerten den eigentlichen Soloinstrumenten wie Cembalo oder Violine regelrecht Konkurrenz machte, als Stradivaris Handy in der Jackentasche vibrierte.
Der Doktor verließ leise den Saal und meldete sich. Es war Reuter. „Wir haben etwas herausgefunden“, sagte er. „Die Brüder haben hier in der Stadt miteinander telefoniert. Vielleicht hat Simon Traunstein seinen Bruder doch getroffen, und der Professor kann uns einen Hinweis geben. Könnten Sie ihn nach dem Vortrag befragen?“
„Leider ist der Professor tot“, sagte Stradivari. „Er ist es, der ermordet wurde. Simon Traunstein ist der Täter. Ich wollte Sie gerade anrufen. Kommen Sie her und nehmen Sie ihn fest.“
Wie kommt Doktor Stradivari darauf?

Doktor Stradivari ermittelt – und Sie können gewinnen!

Wenn Sie die Lösung wissen, schreiben Sie sie an stradivari@rondomagazin.de oder postalisch an RONDO, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin – bitte auch Ihre Kontaktdaten nicht vergessen! Unter allen Zuschriften verlost RONDO in Kooperation mit dem Label Berlin Classics fünf Mal Johann Sebastian Bachs Oboenkonzerte in der neuen Aufnahme mit Solistin Céline Moinet und L’arte del mondo unter Werner Ehrhardt. Einsendeschluss ist der 27. September 2019. Viel Glück!

Übrigens: Dr. Stradivari ist jetzt auch als Buch erschienen – 24 Rätselgeschichten führen Sie darin musikalisch durch den Advent. „Dr. Stradivari ermittelt“, St. Benno Verlag, 80 Seiten, 7,95 €


Auflösung aus Magazin 3/2019:

Glück im Unglück, dass der Ermittler noch die Noten auf dem Hoteltisch fotografiert hat, bevor er niedergeschlagen wurde. Die Quarte in Pendelbewegung, die dort abgebildet ist, taucht in Mahlers 1. Sinfonie in Viertelnoten im langsamen Satz auf. Sie kommt in den Kontrabässen, den Celli, kurz in der Harfe und in den Pauken vor. Für Stradivari ist klar, dass er bei Noten ausschließlich mit Quartschlägen wohl einen Paukenpart vor sich hat (bis zu 34 Takte bei Mahler!). Das engt die Suche auf einen der beiden vorgeschriebenen Paukisten ein – zumal der auch die Kraft hätte, einen Beamten niederzuschlagen.


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 4 / 2019



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Gefragt

Emmanuel Pahud

Kurz vorm Kontrollverlust

Der vielleicht bestaussehendste Flötist der Gegenwart legt seine erste Solo-CD vor. Spät, aber […]
zum Artikel »

Pasticcio

Meldungen und Meinungen aus der Musikwelt

Was ist nur in die Maestri gefahren? Ständig wird gerade von einem neuen, vorzeitigen Abschied […]
zum Artikel »




Top