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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Gingen mit klugem crossmedialem Programm den „GeFühlen“ Dmitri Schostakowitschs und Franz Schuberts auf den Grund: Das Arion Trio Berlin © Mark Taratushkin

crescendo Musikfestival 2022

Endlich wieder Publikum

Letztes Jahr wurde noch gestreamt, dieses Jahr konnten die Aufführungen des crescendo-Musikfestivals an der Berliner Universität der Künste endlich wieder vor Publikum stattfinden.

Aus dieser Situation heraus wurde auch das Motto des diesjährigen Festivals entwickelt: „AufgeFühlt“ heißt es, dabei ist das „f“ kein Schreibfehler, sondern Programm. Künstler wie Besucher sind aufgewühlt, weil endlich wieder Aufführungen vor Publikum möglich sind, das Ganze ist mit einem Erfühlen der neuen Normalität verbunden und Gefühlen, die bei einem gemeinschaftlichen Erleben von Musik entstehen. Dieses Jahr konnte das Festival vom 20. Mai bis zum 3. Juni mit einer Vielzahl unterschiedlicher Konzerte aufwarten. Vom Solorecital über den Kammermusik-Abend bis zum Big-Band-Konzert wurde allerhand geboten, dabei waren sowohl Studierende und Professoren als auch Gäste an den Veranstaltungen beteiligt.
Zu den Höhepunkten gehörte sicherlich das Antrittskonzert des neuen UdK-Professors für klassische Gitarre Marco Tamayo. Er stammt aus Havanna, studierte dort bei der Gitarrenlegende Leo Brouwer sowie später in München und Salzburg, unter anderen beim Segovia-Schüler Eliot Fisk. In seinem Recital spannte der kubanische Gitarrist einen weiten Bogen von Werken J. S. Bachs über Paganinis Violincapricci bis hin zu den neoimpressionistischen Stücken des japanischen Komponisten Yusuke Nakanishi (*1990). In Bachs Fugen faszinierte seine Fähigkeit, die verschiedenen Stimmen klanglich wie auch dynamisch voneinander abzugrenzen, und auch in Paganinis Capricci, die der Meistergitarrist selbst für Gitarre bearbeitet hatte, zeigte er eine große klangfarbliche Bandbreite zwischen perkussivem Forte, weichem Piano und hauchigen Flageolett-Tönen. Hinzu kam eine stupende Fingertechnik, mit der er etwa die irrwitzigen Läufe im Capriccio Nr. 17 locker bewältigte; auch in den spanischen Werken von Joaquín Turina und Francisco Tárrega überzeugte Tamayo durch Brillanz und Latino-Temperament. Das Publikum im gut gefüllten Konzertsaal der UdK war so angetan von der Saitenkunst des 49-Jährigen, dass es ihn nicht gehen ließ, ohne noch zwei Zugaben zu spielen.

Vielfältige Inhalte, hohes Niveau

Auch die Big Band des Jazz-Instituts Berlin (JIB) zeigte ein beachtliches Niveau. Sie präsentierte sich unter der Leitung des JIB-Professors für Komposition und Arrangement Thorsten Wollmann und hatte überwiegend Stücke aus Swing und Hardbop im Programm von Komponisten wie Duke Ellington, Woody Shaw, Neal Hefti oder Sammy Nestico. Diese Stücke wurden professionell umgesetzt, allerdings blieb das Ganze doch recht konventionell und altbacken; ein wenig fehlte dem Programm der Pfiff. Man hätte sich zwischendurch ein paar modernere Arrangements von Arrangeuren wie etwa Peter Herborn gewünscht, die altbekannte Standards in eine ganz neue Klanglichkeit kleiden. Auch fehlten originelle Details in der Performance, warum nicht mal eine Soloeinlage auf einer Seemuschel geben oder ein paar ungewöhnliche Percussioninstrumente ins Spiel bringen? Ein wenig Humor hätte die Sache lebendiger gemacht, da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.
Ein Beispiel für ein kreatives Veranstaltungsformat stellte das Antrittskonzert des neuberufenen Klavierprofessors Lucas Blondeel dar. Er kombinierte seine Aufführung von Claude Debussys Klavierwerken mit einer Lesung und holte dafür den Künstler Toon Leën mit ins Boot. Außerdem gab es neben vielem anderen einen Abend mit vier preisgekrönten Klavierstudenten, die je ein Mozart-Klavierkonzert darboten, ein Konzert der Musical-Abteilung mit Solo-Nummern, Duetten und Ensembles aus bekannten und weniger bekannten Musicals, einen Kammermusik-Abend unter Beteiligung der Geigerin Viviane Hagner, die an der UdK studierte und lehrte, sowie ein Mitmachkonzert für Grundschulkinder.
So zeigte die größte Kunsthochschule Europas wieder einmal, welch vielfältige Inhalte sie in ihren zahlreichen Studiengängen auf hohem Niveau vermittelt.

www.udk-berlin.de/kalender

Das große Finale

Ein Highlight des crescendo-Musikfestivals wird sicherlich das Abschlusskonzert am 19. Juni. In ihm präsentiert sich das Symphonieorchester der UdK unter der Leitung von Steven Sloane mit Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 3 im Großen Saal der Berliner Philharmonie. Die dritte Sinfonie stellt mit 90 Minuten Aufführungsdauer Mahlers längstes Werk dar, sie ist eine von drei Sinfonien, in denen Texte aus der Gedichtsammlung „Des Knaben Wunderhorn“ vertont werden. Als Solistin konnte die russische Mezzosopranistin Marina Prudenskaya gewonnen werden, ihr zur Seite stehen die Knaben des Staats- und Domchors Berlin und der Konzertchor und Mädchenchor der Sing-Akademie zu Berlin.

RONDO verlost außerdem Tickets für das Abschlusskonzert: zur Verlosung

Mario-Felix Vogt, 04.06.2022, Online-Artikel



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